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Studie “Jung, akademisch (immer noch) prekär”

Studie zu sozialer Lage und Arbeitsbedingungen studentischer Beschäftigter an Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Das Forschungsprojekt „Jung, akademisch, prekär?“ wird vom Institut für Arbeit und Wirtschaft in Kooperation mit ver.di und GEW durchgeführt. Gegenstand des Projektes ist eine bundesweite Beschäftigtenbefragung. Insgesamt wurden im Zeitraum vom 30. Januar 2022 bis zum 22. Juli 2022 11.107 studentische/wissenschaftliche Hilfskräfte und Tutor*innen zu ihren Beschäftigungsverhältnissen und Arbeitsbedingungen befragt.

Die Studie ist damit die bisher umfassendste Erhebung im Feld. Untersucht wurden unter anderem die Auswirkungen geringer Regulierung. So arbeiten die jungen Studierenden (mit Ausnahme Berlins) in einem nicht tariflich abgesicherten Bereich, sind in den meisten Bundesländern entweder unmittelbar oder mittelbar von den Personalvertretungsgesetzen der Länder ausgenommen und unterliegen Sonderregelungen, die auf Basis des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) im Zeitraum von 6 Jahren freie Hand bei Vertragslaufzeiten und -anzahl lässt. Auf Basis der Datenlage wird gezeigt, welche Auswirkungen diese besondere Konstellation auf die soziale Lage, soziale Zusammensetzung, Ausgestaltung der Verträge und in letzter Konsequenz die Einhaltung von Arbeitnehmer:innenrechten hat. Das Beispiel Berlin zeigt wiederum, dass eine Integration studentischer Beschäftigter in das „duale System“ regulierter Arbeitsbeziehungen möglich ist und dies positive Auswirkungen auf soziale Lage der Beschäftigten sowie die Einhaltung derer Arbeitnehmer*innenrechte hat.

Die vorgelegten Forschungsergebnisse werden von den Gewerkschaften ver.di und GEW in die Spitzengespräche mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL – Arbeitgeberverband der Länder) über eine Bestandsaufnahme zu den Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen studentischer Beschäftigter eingebracht. Die Gespräche sollen aus Sicht der Gewerkschaften eine Tarifierung der studentischen/ wissenschaftliche Hilfskräfte und Tutor*innen vorbereiten.

Hopp, Marvin/ Hoffmann, Ann-Kathrin/ Zielke, Aaron/ Leslie, Lukas/ Seeliger, Martin (2023): Jung, akademisch, prekär. Studentische Beschäftigte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen: eine Ausnahme vom dualen System regulierter Arbeitsbeziehungen.

Der gesamte Forschungsbericht kann auf der Website des Instituts für Arbeit und Wirtschaft heruntergeladen werden.

Update: Folgestudie 2026 zeigt weiterhin Handlungsbedarf

Drei Jahre nach der Erststudie und nach dem Kompromiss einer schuldrechtlichen Vereinbarung in der Tarifrunde 2023 zeigt die wissenschaftliche Folgestudie „Jung, akademisch, (immer noch) prekär“ der Universität Göttingen (erneut gefördert von ver.di und GEW), dass freiwillige Vereinbarungen in der Praxis zu oft unterlaufen werden:

  • Systematische Unterlaufung von Mindestlaufzeiten: Obwohl in der Tarifrunde 2023 Mindestvertragslaufzeiten von 12 Monaten vereinbart wurden, halten sich viele Hochschulen nicht daran. In 13 von 16 Bundesländern wird diese Laufzeit bei höchstens der Hälfte der Verträge eingehalten.
  • Rechtsverstöße und Prekarität: Die Befragung von knapp 6.000 studentischen Beschäftigten belegt weiterhin unbezahlte Mehrarbeit, Probleme bei der Urlaubsgewährung sowie ein hohes Armutsrisiko unter den Beschäftigten.

Die Daten der Folgestudie unterstreichen unsere zentrale Forderung in der Tarifrunde 2025/26: Eine bloße schuldrechtliche Vereinbarung reicht nicht aus. Wir brauchen einen echten, rechtssicheren und einklagbaren Tarifvertrag (TVStud) für alle studentischen Beschäftigten bundesweit!

Hopp, Marvin / Hoffmann, Ann-Kathrin / Moya Schreieder, Nicolas / Heiland, Heiner (2026): Jung, akademisch, (immer noch) prekär – Studentische Erwerbsarbeit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Infos zur Studie findest du hier!